Kunstwerk aus Bildern und Architektur

Die Brücke über den »blauen Teuto«, sie funktioniert schon so, wie ihr Erfinder es sich vorstellt. Viele Kunstfreunde, ehemalige Nachbarn und Bekannte aus Halle haben am Wochenende die Eröffnung des Museums für den Maler Sigmund Strecker im Meller Ortsteil Neuenkirchen miterlebt.

Strecker ist nach dem Krieg mit seiner Familie nach Neuenkirchen gekommen, hat dort »Munterkeit ins Land gebracht«, wie Karl-Friedrich Freiherr von Richthofen in seiner Rede am Samstag in einem Rückblick erzählte.Von 1950 lebte und arbeitete Strecker größtenteils in Halle, wo sein Atelier auch heute noch so erhalten ist, wie er es bei seinem Tod 1969 zurückgelassen hat. »Jetzt sind die Streckers wieder angekommen, wo die Familie nach dem Weltkrieg Wurzeln schlug«, schloss der Freiherr seine Rede. Von Richthofen ist Eigentümer von Schloss Königsbrück, wo im vergangenen Jahr eine große Gesamtschau mit Werken von Sigmund Strecker zu sehen war. 2000 Besucher wurden hier gezählt.Auf ähnliche, möglichst noch größere Resonanz hofft Bernhard Strecker nun auch mitten in Neuenkirchen. Hier hat der Architektur-Professor im Ruhestand ein altes Kötter- und Handwerkshaus erworben und auf eigene Kosten als Museum für seinen Vater umgebaut und will die Brücke schlagen zum Atelier in Halle. Das Ergebnis wurde mit großem Staunen und mit noch größerem Beifall aufgenommen.

Die Anlage des Hauses mit seinen Sichtachsen und den vielen Fenstern, die Präsentation der Bilder an den weißen Wänden, wurde durchweg lobend begutachtet. Neuenkirchens Ortsbürgermeister Volker Theo Eggeling fasste es in Worte: »Die Werke Sigmund Streckers und die Architektur Bernhard Streckers haben sich hier zu einem neuen Kunstwerk verbunden.« Der Standort des Museums habe durchaus seinen tieferen Sinn.

Streckers Hauptwerke seien ästhetisch dem ländlichen Raum verbunden, das Gebäude selbst wende sich, mit der Kirchenburg im Rücken, nach Süden über die sanften Hügelketten hinweg zum Teutoburger Wald und hinüber nach Halle.

Neuenkirchens Bürgermeister bezeichnete das Museum als »neuen nordwestdeutschen Geheimtip«. »Wer dieses neue Haus der Bilder entdeckt, kommt ins Schwärmen. Selbst viele Neuenkirchener müssen erst einmal begreifen, welchen Schatz sie künftig in ihren Mauern besitzen.«

Halles Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann musste einräumen, dass es in Halle einige lange Gesichter gegeben habe, als der Museumsbau in Neuenkirchen bekannt geworden sei. »Da ist etwas Neid aufgekommen«, berichtete sie über die Reaktion auch einiger Kommunalpolitiker. »Wir haben in Halle aber auch ein Kleinod, von dem viele nichts wissen. Und wir haben es zu schätzen gelernt, dass ein solcher Künstler bei uns gewirkt hat und seine Arbeitsstätte erhalten geblieben ist.«

Wesselmann bedauerte nur, dass man diesem Kleinod, dem ehemaligen Atelier in Halle, nicht genug Raum gelassen habe. Große Häuser seien mit wenig Abstand rundherum entstanden. Den Weg über den blauen Teuto, wie Strecker ihn in seinen Bildern wiederholt dargestellt hat, bezeichnete Halles Bürgermeisterin als wirklich kurze Verbindung. »Ich hoffe sehr, dass diese Verbindung auch gelebt wird. Hier wird Sigmund Strecker wieder lebendig und greifbar.«

Warum Bernhard Strecker gerade bei diesem Haus mitten in Neuenkirchen spontan zugegriffen hat, erzählte sein älterer Bruder Christoph. Seine beiden jüngeren Zwillings-Brüder Bernhard und Ivo seien gleich nebenan in den Kindergarten gegangen, er selbst ganz in der Nähe in die Schule.

Ein Stück Vergangenheit kam noch ganz unverhofft hinzu. Rolf Müller aus Sennestadt war eigens am Samstag zur Eröffnung gekommen und hatte als Leihgabe eine Zeichnung seiner Tochter mitgebracht. Die hatte Sigmund Strecker angefertigt, als Müller bei den Streckers in Halle zum Essen eingeladen war – und das damals kleine Mädchen mitgebracht hatte.