Blauer Teuto vor der Vollendung – Haller Kreisblatt 24.02.10

24.02.10 Von Nicole Donath Neuenkirchen

Bernhard Strecker sitzt auf der weiß getünchten Bank und schaut nachdenklich in die Runde. Die Beine übereinandergeschlagen, zieht er ab und zu an seiner blauen Gauloise. Auf dem Gasherd steht die kleine Metall-Kanne mit Kaffee, die irgendwie den Anschein erweckt, als sei sie immer gefüllt. Und während aus dem Nebenzimmer leise Musik

DSC_0208,VORHER,Museum an der Strasse

 

Bernhard Strecker ist Architekt. Professor der Architektur. Hauptsächlich lebt er in Berlin und im Wesentlichen beschäftigt er sich mit Brückenbau oder Schulen oder Städteplanung. Hier in Neuenkirchen hat er ein Meisterstück in einer anderen Dimension angefertigt, ein weiteres. Hat ein ehemaliges Ackerbürgerhaus, das von außen eher schäbig und von innen außerordentlich verbaut und kleinteilig war, in die kleinstädtische, wenn nicht dörfliche Umgebung eingepasst. Einen Steinwurf von der Kirche entfernt, fügt sich das mittlerweile mit Holz vertäfelte Haus perfekt zwischen seine alten Nachbarn ein. Doch innen, ja, innen, wo noch der Duft frisch versiegelter Eichen-Dielen die Luft erfüllt, taucht der Besucher in eine andere Welt. In eine Vielfalt von Sichtbeziehungen und korrespondierenden Achsen, wie Bernhard Strecker es beschreibt, die sich sukzessive erschließt. Ein Haus mit hoher, innerer räumlicher Komplexibilität und raffinierten Blickwinkeln, die den Besucher immer wieder aufs Neue erstaunen lassen und ihm gänzlich unerwartete Perspektiven eröffnen. Ein freundliches Labyrinth. Ein Haus mit einer starken Aura, das den Menschen, die hier zu Besuch sind, ein Gefühl von Intimität und Zuhause vermitteln soll. Und vermittelt.
Bernhard Strecker zieht wieder an seiner Gauloise und lächelt. Dann sagt er: „Genau das wollte ich. Nichts Heroisches, sondern Nähe. Kein White Cube Berlin, sondern private Atmosphäre. Sigmund Strecker war hier zu Hause, er hat die Gegend geliebt und genau das soll sich hier widerspiegeln. Den Menschen soll das Betrachten seiner Bilder einfach nur guttun. Es soll ihnen Freude bereiten und sie physisch und mental aufbauen.”
Ein solches Haus hätte Halle auch haben können. Vielleicht hätte es sogar noch eher hierhergehört, denn Sigmund Strecker hat viele Jahre im Herzen der Lindenstadt gelebt und gearbeitet. Für Bernhard Strecker spielt das keine Rolle. Nicht mehr. Jetzt steht das Museum in Neuenkirchen und, da ist er einmal mentaler Brückenbauer, anstatt diese Entwicklung mit Groll zu betrachten, hat er seine Sicht der Dinge, bringt Halle und Neuenkirchen, jenen weiteren Schaffensort seines Vaters, vielmehr in einen Zusammenhang. „Wir schauen auf den »Blauen Teuto«”, sagt der 70-Jährige, „und sollten ihn nicht als Trennung sehen, sondern eine Brücke über ihn schlagen. Die beiden Orte als Pärchen inszenieren.” Demzufolge werden auf der Matinee am Sonntag, 21. März, die auf die Einweihungsfeier tags zuvor folgt, der Bürgermeister von Neuenkirchen und Halles Bürgermeisterin Anne Roden-brock-Wesselmann sprechen. Und einen Vortrag wird es auch noch geben: Franz Armin Morat vom Morat-Institut Freiburg ist zu Gast, um eine neue Idee zu verkünden. Die Idee, die Werke Streckers zu seiner Ausstellung von Giorgio Morandi Ende des Jahres hinzuzunehmen.
Bernhard Strecker zündet sich eine weitere Zigarette an, trinkt einen Schluck Kaffee und sagt: „Das hier, das wird ein Haus für Kunstliebhaber aus der ganzen Welt. Sie werden aus Schweden kommen und aus Petersburg und aus Italien. Understatement pur, das umso größere Freude und innere Erbauung und positive Impulse an der Malerei fördern wird.” Santana macht jetzt eine kurze Pause. Stattdessen ist das Klopfen der Handwerker zu hören. Endspurt für einen Anfang.

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